Zukunft für Ausbildung im Main-Kinzig-Kreis
Bezahlbarer Wohnraum, Gemeinschaft und Unterstützung während der Ausbildung und das alles unter einem Dach, ermöglicht das entstehende QU Azubiquartier in Linsengericht.
Bei einem Rundgang informierte sich die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl (SPD) über den aktuellen Stand des Projekts. Gemeinsam mit Projektleiterin Astrid Rost, Geschäftsführerin Helmtrud Abs, der Marketingführung Carmen Jackel sowie Mathias Hant von der KIZ GmbH und dem Ersten Kreisbeigeordneten des Main-Kinzig-Kreises, Andreas Hofmann (SPD), erhielt sie Einblicke in die Räumlichkeiten und das dahinterstehende Konzept.
„Hier entsteht weit mehr als ein Wohnheim für Auszubildende. Das QU verbindet bezahlbares Wohnen mit Gemeinschaft, pädagogischer Begleitung und konkreter Unterstützung im Schul- und Alltag der Auszubildenden. Damit investiert der Main-Kinzig-Kreis in die Jugend und zugleich in die Zukunft und wirtschaftliche Stärke der Region“, betont Frau Gnadl, die als Landtagsabgeordnete unter anderem den Main-Kinzig-Kreis betreut. Hintergrund des Projekts sind Herausforderungen, mit denen sich viele Unternehmen und junge Menschen gleichermaßen konfrontiert sehen: Fachkräftemangel und demografischer Wandel, Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Auszubildenden sowie fehlender bezahlbarer Wohnraum. Gleichzeitig benötigen einige junge Menschen gerade beim Übergang von der Schule in den Beruf zusätzliche Unterstützung.
„Das QU Azubiquartier soll hier ansetzen und sich zu einem Zentrum für Ausbildung im Main-Kinzig-Kreis entwickeln. Nach dem Vorbild des erfolgreichen „pings“ in Fulda sollen Wohnen, Lernen, Gemeinschaft und pädagogische Begleitung miteinander verbunden werden. Ziel ist es zugleich, eine Ausbildungscommunity aufzubauen, die über das Quartier selbst hinaus in die Region wirkt.
Platz für mehr als 150 junge Menschen
Auf einer Gebäudefläche von mehr als 5.500 Quadratmetern entstehen 133 Zimmer für insgesamt 151 Auszubildende. Vorgesehen sind 115 Einzelzimmer sowie 18 Doppelzimmer, die insbesondere von Blockschülerinnen und Blockschülern genutzt werden können. Hinzu kommen elf Gemeinschaftsküchen, vier Gemeinschaftsräume mit Lern-, Freizeit-, Sport- und Entspannungsbereiche. Das Gebäude wird vollständig barrierefrei gestaltet; fünf Zimmer inklusive Badezimmer sind rollstuhlgerecht geplant. Das Land Hessen unterstützt den Bau mit einer Förderung von 2,6 Millionen Euro. Die Landesmittel werden über die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) bereitgestellt. Mit dem Projekt entsteht dringend benötigter und bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende sowie Blockschülerinnen und Blockschüler.
Das Angebot richtet sich an Auszubildende zwischen 16 und 27 Jahren, insbesondere an junge Menschen mit längeren Anfahrtswegen oder dem Wunsch nach einem ersten selbstständigen Zuhause. Auch Fach- und Technikschüler, Schülerinnen und Schüler der Main-Kinzig-Akademie, dual Studierende sowie Blockschüler – beispielsweise angehende Kälte- und Klima-Mechatroniker – gehören zur Zielgruppe des Azubiquartiers. Die Lage in Linsengericht bietet dafür gute Voraussetzungen. Der Bahnhof Gelnhausen und die A66 sind schnell zu erreichen. Gleichzeitig sind die Schulen, die Akademie für Gesundheit und Pflege sowie Nahversorgungs- und Freizeitangebote zu Fuß erreichbar.
„Familie auf Zeit“ unterstützt beim Start ins Berufsleben
Herzstück des Projektes ist das pädagogische Konzept. Unter dem Leitgedanken „Familie auf Zeit“ begleiten sechs pädagogische Fachkräfte die Bewohnerinnen und Bewohner während ihrer Ausbildung und unterstützen sie sowohl bei persönlichen als auch bei alltäglichen Herausforderungen. Dazu gehören auch sogenannte „Survival Skills“: Junge Menschen sollen beispielsweise Kenntnisse rund um Ernährung, Wäschepflege, Versicherungen, Altersvorsorge und Resilienz erwerben und so auf ein eigenständiges Leben vorbereitet werden. Gleichzeitig sollen sie Verantwortung übernehmen und das Zusammenleben aktiv mitgestalten – etwa bei Hausregeln, Freizeitangeboten oder der Gestaltung gemeinschaftlich genutzter Flächen.
„Gerade der Ansatz, jungen Menschen nicht einfach einen Schlüssel für ein Zimmer in die Hand zu geben, sondern sie auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben zu begleiten, macht dieses Projekt besonders“, erklärt Projektleiterin Astrid Rost. „Wer möchte, dass junge Menschen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und anschließend in unserer Region bleiben, muss auch die Bedingungen dafür schaffen.“ Das Quartier soll dabei nicht nur seinen Bewohnerinnen und Bewohnern offenstehen. Geplant ist ein Treffpunkt für alle Auszubildende aus dem gesamten Main-Kinzig-Kreis. So soll langfristig ein Ort der Begegnung und Vernetzung rund um Ausbildung entstehen.
Initiiert wurde das Projekt vom Main-Kinzig-Kreis. Die KIZ GmbH fungiert als Grundstücksgeber, Bauträger und Vermieter, während die AQA GmbH den Betrieb des QU Azubiquartiers übernimmt. Nach dem Kreistagsbeschluss im Juli 2023, der LEADER-Förderung für eine Machbarkeitsstudie im Februar 2024 und dem Umsetzungsbeschluss im September 2024 wurde im Oktober 2025 die Baugenehmigung erteilt. Das Richtfest fand am 30. Juni 2026 statt. Der Einzug der ersten Bewohnerinnen und Bewohner ist für den 1. August 2027 vorgesehen. Bis dahin stehen unter anderem die Gewinnung künftiger Bewohnerinnen und Bewohner und der Aufbau weiterer Kooperationen im Mittelpunkt. „Fachkräftesicherung beginnt nicht erst nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung. Sie beginnt dort wo jungen Menschen gute Lebens- und Ausbildungsbedingungen geboten werden und ihnen Perspektiven in der Region eröffnet werden. Das QU Azubiquartier ist dafür ein starkes und zukunftsweisendes Projekt“, so der Ersten Kreisbeigeordneten des Main-Kinzig-Kreises, Andreas Hofmann abschließend.
Bericht aus VORSPRUNG online vom 22.08.2026

Von links: Mathias Hant, Astrid Rost, Lisa Gnadl, Andreas Hofmann und Helmtrud Abs. Foto: Blendi Krasniqi