30.08.2019


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    Jobcenter-Vorstand Michael Krumbe und Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler vom KCA-Verwaltungsrat
       stellen das neue Instrument zur Vermittlung von Langzeitarbeitslosen vor.
                                       Foto: Abel
                                                                                                                                                                                                

„SAM-Projekt“ des Main-Kinzig-Kreises soll Langzeitarbeitslosen Chancen eröffnen

„Als ich die Einladung des Jobcenters zum SAM-Seminar erhielt, dachte ich, es geht nur um eine weitere Fortbildung für Langzeitarbeitslose“, verrät Melanie Lenga. Heute ist sie vom Programm „Sozialer Arbeitsmarkt im Main-Kinzig-Kreis“ (SAM) begeistert. Nachdem die gelernte Raumausstatterin aus Hanau ihren_Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben konnte, war sie mehr als zehn Jahre auf Sozialleistungen angewiesen. Jetzt hat sie eine neue Stelle im Dorfmuseum Ostheim gefunden, wo sie, wie sie sagt, ihr Hobby zum Beruf macht.  Lenga ist eine von bislang 18 Personen, für die das Kreisprogramm bereits mit einem Arbeitsvertrag geendet hat. Gestern haben Vertreter des Kommunalen Centers für Arbeit (KCA) und der kreiseigenen Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA) das Projekt in einem Pressegespräch vorgestellt.

Seit zwei Monaten werden die Teilnehmer des SAM-Projekts in der Hanauer KCA-Dependance für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht. In denselben Räumen hat der Main-Kinzig-Kreis auch seine „Fachstelle Sozialer Arbeitsmarkt“ eingerichtet. Aufgabe der Mitarbeiter ist es, Langzeitbeziehern von Sozialleistungen wieder einen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Simmler: Projekt markiert Paradigmenwechsel

Erste Kreisbeigeordnete Susanne_Simmler sprach beim Pressegespräch von einem Paradigmenwechsel: „Im Gegensatz zu früheren_Programmen geht es nicht darum, wettbewerbsneutrale Jobs bei öffentlichen Institutionen zu kreieren, sondern durch gezielte und umfangreiche Förderung zusätzliche sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse für Menschen zu schaffen, die dem Arbeitsmarkt lange fern waren.“ Dabei zähle nicht die Masse. Vielmehr wolle das KCA mit dem neuen Instrument passgenaue Lösungen für Arbeitssuchende und Unternehmen gleichermaßen finden.

Die rechtlichen_Möglichkeiten für das Kreisprogramm hat das Bundesarbeitsministerium mit dem neuen Teilhabechancengesetz geschaffen, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Unternehmen, die Menschen einstellen, die älter als 25 Jahre sind und seit mehr als fünf Jahren Arbeitslosengeld II beziehen, kann das Jobcenter für eine Förderdauer von zwei Jahren Lohnkostenzuschüsse in Höhe von 100 Prozent gewähren. In den folgenden drei Jahren reduzieren sich die Zuschüsse dann kontinuerlich auf zuletzt 75 Prozent. Die Förderdauer umfasst fünf Jahre. Den Teilnehmern stehen sogenannte Coaches zur Seite, die bei Problemen am Arbeitsplatz, in der Familie oder bei Schwierigkeiten mit der Organisation des Alltags helfen.

Wie Michael Krumbe vom KCA-Vorstand informierte, stehen dem Kreis für das Projekt insgesamt 25 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes für einen Zeitraum von fünf Jahren zur Verfügung. „Das entspricht in etwa 200 geförderten Arbeitsplätzen.“ Kreisweit sind aktuell rund 3_800 Personen langzeitarbeitslos. Nicht alle stehen dem ersten Arbeitsmarkt zur Verfügung, etwa, weil sie Kleinkinder betreuen müssen. Konkret kommen rund 1_200 Menschen für das Programm infrage. In Gruppen- und Einzel­gesprächen beschäftigen sich die Mitarbeiter der neuen Fachstelle in erster Linie mit der Motivation der Arbeitssuchenden. Geeignete Personen werden dann zu einem maximal 16-wöchigen Vorbereitungs­seminar bei der kreiseigenen Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA)_eingeladen.

Hier legen die Mitarbeiter das Augenmerk auf Grundtugenden und die Persönlichkeitsförderung der Klienten. „Viele Arbeitsverhältnisse scheitern nicht an mangelnden Fachkenntnissen, sondern an fehlenden Kompetenzen der Bewerber, sei es die Fähigkeit mit Geld zu haushalten oder sich gesund zu ernähren“, meinte AQA-Geschäftsführer Hans-Jürgen Scherer.

Dienstags geht es um Gesundheit

Für die Seminare ist unter anderem AQA-Dozentin Katharina Bach verantwortlich. „Wir arbeiten die  individuellen Stärken der Teilnehmer gemeinsam heraus und vermitteln soziale Fähigkeiten. Montags geht es um gesellschaftliche Fragen, dienstags um Gesundheit und mittwochs um Finanzen. Donnerstags schulen wir die Kommunikation mit potenziellen Arbeitgebern, freitags ist Zeit für Exkursionen in Betriebe oder auch für Rollenspiele, in denen für Bewerbungsgespräche trainiert wird.“ Vom bisherigen Verlauf der Kurse ist sie begeistert. „Die Teilnehmer motivieren sich gegenseitig, das ist großartig.“

Auch Bauunternehmer Stefan Jökel aus Schlüchtern und Jacqueline Eider, Geschäftsführerin des ambulanten Pflegedienstes „QValère“ in Freigericht, sind von dem Programm angetan. Sie gehören zu den ersten, die Arbeitsverträge mit SAM-Teilnehmern unterzeichnet haben. „Wichtig ist, dass ein Unternehmen bereit ist, sich auf etwas völlig Neues einzulassen. Dann kann das_Projekt zu einer wertvollen Erfahrung für alle Beteiligten werden“, sagte Eidner.

Die Neuberger Bürgermeisterin Iris Schröder ist überzeugt, dass SAM_auch für kommunale Betriebe wie Kitas geeignet ist. Denn dort würden neben Fachkräften auch weitere helfende Hände gesucht. Dabei käme Bürgermeistern eine besondere_Aufgabe zu. „Wer, wenn nicht wir, können Arbeitssuchende und Unternehmen zusammen-  bringen?“ Davon ist auch der ehemalige Hasselrother Rathauschef Uwe Scharf überzeugt, der in der neuen Fachstelle für die Kontakte zwischen der KCA und den Städ-ten und Gemeinden verantwortlich ist.

„Wir haben uns bewusst Zeit gelassen, ein tragfähiges Konzept für den Main-Kinzig-Kreis zu entwickeln und sind nicht gleich auf den Zug aufgesprungen, als das Chancenteilhabegesetz in Kraft getreten ist“, betonte Susanne Simmler. „Jetzt werden wir die Erfahrungen der Fachstelle, der Arbeitnehmer und der Unternehmen dazu nutzen, das Angebot kontinuierlich zu verbessern.“

 

 

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