14.11.2007 


 

Die Vermittlungszahlen der kreiseigenen Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA) erreichten in den vergangenen Monate neue Rekorde.

Seit Jahresbeginn erhielten fast 2.000 Langzeitarbeitslose eine neue Beschäftigung. „Die guten Ergebnisse zeigen, dass unsere Strukturen funktionieren“, erläuterte Landrat Erich Pipa im Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Petra Fuhrmann.

Die Sozialexpertin aus Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) kennt die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik im Main-Kinzig-Kreis seit vielen Jahren. Sie legte Wert darauf, dass erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik von den Akteuren vor Ort – seien sie als Optionskommune oder Arbeitsgemeinschaft (ARGE) organisiert – abhängig sei. „Der Main-Kinzig-Kreis ist sicher ein gutes Beispiel für erfolgreiche Integration von arbeitslosen Menschen. Die Vielfalt der Angebote und Maßnahmen überzeugen mich“, sagte Petra Fuhrmann nach ihrem Rundgang über das Firmengelände in Gründau-Rothenbergen.

Dabei lernte sie sowohl die Ausbildungsbereiche Holz und Metall, die Schneiderei sowie das Elektrorecycling kennen. An den vier Standorten der AQA im Main-Kinzig-Kreis stehen in der Qualifizierung rund 480 Plätze zur Verfügung. Hinzu kommen 95 Ausbildungsplätze sowie 117 Stellen für die frauenspezifische Qualifikation. „Unsere Auszubildenden erreichen immer wieder Spitzenplätze bei den Prüfungen der Industrie- und Handelskammer“, berichtet Pipa. Allerdings im Vorfeld häufig entsprechende Schulungen wie Deutschkurse oder auch der Hauptschulabschluss zu absolvieren.

Die Ausbildung von sozial benachteiligten jungen Menschen sowie weitere sinnvolle Maßnahmen sollen nach dem Willen der Bundesregierung künftig nicht mehr möglich sein. „Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass wir diese wichtigen Projekte aus unserem Angebot streichen müssen“, berichtet Pipa. Gegen eine angekündigte „Rückforderung von Eingliederungsleistungen“ habe er bereits bei Bundesarbeitsminister Olaf Scholz protestiert.

„Es ist zwar positiv, dass wir das Optionsmodell fortführen dürfen, doch ohne die entsprechenden Instrumente können wir den Menschen nicht helfen“, sagt Pipa. Es sei von großer Bedeutung, dass Langzeitarbeitslose umfassend betreut und geschult werden, machte er im Gespräch mit Petra Fuhrmann deutlich. Auch die erfolgreichen Projekte für künftige Berufskraftfahrer oder Altenpflegehelferinnen wären damit zu Ende. Hier konnten jeweils rund 90 Prozent der Absolventen direkt auf den 1. Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Mit seinen vielen Bausteinen setzt AQA auf den langfristigen Erfolg bei der Vermittlung.

Außerdem kann der Kreis sehr schnell und unbürokratisch mit verschiedenen lokalen Partner geeignete Projekte auf die Beine stellen. „Wir möchten nicht, dass die Männer und Frauen gleich wieder bei uns auf der Matte stehen, sondern ihr Leben selbständig meistern“, betont der Sozialdezernent. Eine Auswertung des Bundes bestätigt dem Main-Kinzig-Kreis hier eine hohe Aktivierungsquote und besondere Flexibilität.

„Es ist wichtig, dass die verschiedenen erfolgreiche Strukturen in der Qualifizierung und Arbeitsvermittlung auch weiterhin ohne Einschränkungen weiter laufen“, plädierte Petra Fuhrmann für eine pragmatische Lösung. Sie kündigte an, den aktuellen Gesetzentwurf in den kommenden Tagen genau zu prüfen, um rechtzeitig reagieren zu können.

Landrat Pipa signalisierte, dass er als „Sprecher für das kommunale Optionsmodell“ gern für politische Aktionen zu Verfügung stehe. Denn wenn die angekündigten Einschränkungen zur Regel werden, verlieren die kommunalen Träger den unbedingt notwendigen Handlungsspielraum und ein mühsam aufgebautes und erfolgreiches Konzept wäre zerstört.

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