11.01.2007 


 

Bei „aQa comfort-junior“ in Hanau Wolfgang schreibt man schwarze Zahlen.

Die Auftragsbücher sind voll, der Handel mit Büromöbeln boomt, und der nächste Katalog liegt bereits in der Druckerei. Seit Oktober 2005 gehört die Übungsfirma zur kaufmännischen Aus- und Weiterbildung der Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA) des Main-Kinzig-Kreises, die derzeit 26 Azubis im Alter von 17 bis 27 Jahren in drei Lehrjahren und fünf Berufsrückkehrer auf die Arbeitswelt vorbereitet

„In der Übungs-GmbH können unsere kaufmännischen Auszubildenden ihr Wissen in der Praxis testen und das Erlernte in den beruflichen Zusammenhängen umfassender verstehen. Das ist eine hervorragende Vorbereitung auf die reale Arbeitswelt“, hebt Landrat Erich Pipa hervor. „Ebenso bringen wir Berufsrückkehrer mit einschlägiger Ausbildung wieder auf den aktuellen Stand.“

Alles bei aQa comfort-junior ist fiktiv: die Waren, die Dienstleistungen und das komplett simulierte Marktumfeld. Dennoch gestaltet sich der Arbeitsalltag wie in einem realen Unternehmen.

Ob Organisation, Buchhaltung oder Verkauf – die verschiedenen Abteilungen gehen gewissenhaft ihren Aufgaben nach. Ihre Entscheidungen und Handlungen müssen den Kriterien der realen Geschäftswelt Stand halten. Die Übungsfirma bietet zehn Plätze. Fünf sind jeweils von Berufsrückkehrerinnen und –rückkehrern belegt, die ihre Software-Kenntnisse auf den neuesten Stand bringen, fünf weitere besetzen die Lehrlinge, die während ihrer Ausbildungszeit mehrmals für zwei Monate in der GmbH arbeiten.

AQA bildet Kaufleute für Bürokommunikation aus, ebenso wie Bürokaufleute. Während sich die einen vorwiegend organisatorische Abläufe im Büro einprägen, liegt der Ausbildungsschwerpunkt der Bürokaufleute beim Rechnungswesen, das sie bis hin zum kaufmännischen Jahresabschluss erlernen. Alle AQA-Azubis erhalten pädagogische Beratung, und die kleinen Lerngruppen ermöglichen individuelle Schulung. Im ersten Ausbildungsjahr vermitteln die Lehrkräfte theoretische Kenntnisse und bauen Mängel in der Schulbildung ab. Das zweite Jahr ist bestimmt von drei- bis sechsmonatigen Betriebspraktika. Dafür arbeitet die kaufmännische Aus- und Weiterbildung der AQA mit 15 Firmen im Kreis zusammen. „Immer wieder erleben wir, dass unsere Partnerunternehmen Ausbildungsverträge von Praktikanten übernehmen oder sie nach der Ausbildung einstellen“, berichtet der Leiter der Kaufmännischen Aus- und Weiterbildung bei AQA, Christoph Stürz. Das dritte Jahr gehört der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

Aufgrund der guten kaufmännischen Ausbildung ist es kein Einzelfall, wenn Azubis mit einem Notendurchschnitt unter 2,5 in die um ein halbes Jahr verkürzte Ausbildung gehen, berichtet Stürz. Auch die Vermittlungen auf den Arbeitsmarkt sprechen für die AQA-Ausbildung.

Von drei Prüflingen im vergangenen Jahr fanden zwei auf Anhieb Anstellungen, bei der Ikea-Kreditabteilung und bei der Gründauer Firma ECG. Auch die Schulung für Wiedereinsteiger, die nach einem vorgeschalteten kaufmännischen Eignungstest genau auf den Qualifizierungsbedarf eingeht, führt  vielfach zum Erfolg. So vermittelte AQA eine 26-jährige Langzeitarbeitslose mit kaufmännischer Ausbildung nach dem Training an Empfang und Verwaltung einer Kurklinik in Bad Soden-Salmünster. Eine 48-Jährige absolvierte nach der Schulung ein Betriebspraktikum in einer Langenselbolder Druckerei, das in ein Arbeitsverhältnis mündete.

Die fünf Lehrkräfte in Wolfgang bieten außerdem EDV-Kurse in Kleingruppen von acht Teilnehmern für Empfänger des Arbeitslosengeldes II an. Dabei werden die Teilnehmer immer zielgerichtet auf einen künftigen Arbeitsplatz qualifiziert, wie Christoph Stürz betont. Vor dem Seminarbesuch erfolgt zudem ein Einstufungstest, um den Schulungsbedarf genau zu ermitteln. Zum Programm gehören auch Kurse zur Internet-Recherche. Ein Schwerpunkt dabei ist die Jobsuche. Weiterhin bietet die AQA Aus- und Weiterbildung Deutschkurse an und führt Sprachtests für Deutsch und Englisch durch, um Langzeitarbeitslose für eigene und externe Kurse einzustufen. Auch das Bewerbertraining ist Sache der engagierten Lehrkräfte in Hanau. Mit bis zu acht Teilnehmern sichten und erstellen sie Bewerbungsunterlagen, gehen auf Stellensuche im Internet und üben Vorstellungsgespräche mit Unterstützung durch Videoaufzeichnungen.

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